Nachlese Vortragsveranstaltung "Nachhaltigkeit" Regionalgruppe Süd am 14.04.2016

 

Am Donnerstag, 14. April 2016 war der Verein Deutscher Textilveredlungsfachleute e.V. für ihre Frühjahrs-veranstaltung zu Gast an der Hochschule Reutlingen. Die Veranstaltung stand unter dem Thema Nachhaltigkeit. Auf die rund 45 teilnehmenden Mitglieder und 15 Studierende der Fakultät Textil & Design warteten drei spannende Vorträge zu nachhaltigen Themen.

Nach der offiziellen Begrüßung durch Hr. Edmund Lingel, 1. Vorsitzender Regionalgruppe Süd, stellte der Dekan der Fakultät Textil & Design, Prof. Michael Goretzky die Hochschule und insbesondere die Fakultät und ihre Forschungsaktivitäten vor. Hier stand u.a. das Lehr- und Forschungszentrum IMAT im Fokus. „Wir müssen die Forschung stärker in die Fakultäten einbinden“ untermauerte Goretzky. Im Produktfeld der interaktiven Materialien wird es künftig stärker zu einer Verbindung von Emotionalität und Funktionalität kommen. Der neue Master-studiengang „Interdisziplinäre Materialwissenschaften“ (IMW) ist bereits eine erste Antwort darauf, um auf die künftigen Anforderungen reagieren zu können. Hier lernen die Studierenden aus unterschiedlichen Disziplinen „interdisziplinär an Produkten in Teams zu arbeiten und Innovationen voranzutreiben“ so Goretzky. Auch die intensive Zusammen­arbeit und Kooperationen mit anderen Hochschulen zeigen, „dass wir gemeinsam was bewegen wollen“ hebt Goretzky vor. „Die Stärke unserer Studierenden ist die praxisnahe Ausbildung, um für Sie qualifizierte Unterstützung in der Textilindustrie zu gewährleisten“ resümiert Goretzky.

In seinem Vortrag referierte Dipl. Ing. Kai Nebel, Leiter der Forschungsgruppe Textile Verfahrens­technik und Produktentwicklung, Hochschule Reutlingen über die „Nachhaltigkeit in der textilen Kette – Fiktionen, Fakten und Chancen“. Er zeigte die Kernkompetenzen und Leistungsspektren der Forschungsgruppe auf und hob als aktuelles Projektbeispiel „Slow Fashion“ hervor, bei dem es darum geht gestalterische, technische und ökonomische Innovationen für massentaugliche nachhaltige Angebote im Bedarfsfeld „Bekleidung“ zu entwickeln. Wozu Nachhaltigkeit bzw. Recycling? Was ist überhaupt nachhaltig? Kann eine echte nachhaltige Entwicklung, angesichts unseres Konsumverhaltens überhaupt eine Chance haben? Und was können wir als „Verbraucher“ von Textilprodukten zur Nachhaltigkeit beitragen? Hr. Nebel stellte in einer kritischen Betrachtung die Zusammenhänge dar und stellt den Menschen als den wichtigsten Faktor für Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt. Er forderte dazu auf, mehr Transparenz, Information und Ehrlichkeit auf Herstellerseite einzufordern sowie kritisch sich selbst gegenüber zu sein hinsichtlich seines eigenen Konsum­verhaltens. Besonders wichtig ist „die Wertschätzung gegenüber Produkten“ so Nebel, welche in Zeiten des Online Versandhandels oftmals nicht stattfindet. Auf die Rückfrage, wie er den Trend in den nächsten 10 Jahren bei Nachhaltigkeit einschätzt, äußert er, dass er sich wünscht, dass „die Werbung mehr Transparenz fördert, eine stärkere Sensibilisierung stattfindet und die jungen Menschen in ihrer Kritikfähigkeit gefördert werden“ so Nebel abschließend. Am Ende seines Vortrags stimmte er die Zuhörer äußerst nachdenklich. Ziel seines Vortrags war es „zu hinterfragen und zum Denken anzuregen“ so Kai Nebel.

Prof. Dr. Torsten Textor, Oberflächenmodifikation und Beschichtung interaktiver Textilien, Hochschule Reutlingen führte in seinem anschließenden Vortrag „Sol-Gel-Technik – ein Chemiebaukasten für das Funktionalisieren… und ein Beitrag zur Nachhaltigkeit“ aus, wie sich durch die wachsende Zahl der textilen Anwendungen auch die Anforderungen an das Textil verändern. Daraus resultieren auch wachsende Anforderungen an die Textilveredelung. Das Textil erhält zunehmend mehr Funktionalität durch chemische Funktionalisierung. Mit genau dieser Grundidee, der Funktionalisierung von Textilien, beschäftigt sich der Chemiebaukasten von Hr. Textor. Dieser liefert „maßgeschneiderte“ Eigenschaften, um die vielfältigen Anforderungen an Oberflächenbeschichtungen bedienen zu können. Durch die Sol-Gel-Technik können verschiedenste Eigenschaften wie Wasser-/Ölabweisung, UV-Schutz, Flammschutz, aber auch superabweisende, antistatische oder selbstreinigende Funktionalität aufgebracht werden. Einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet diese Sol-Gel-Technik dadurch, „dass in einer einzelnen Anwendung (Sol-Gel) verschiedene Ausrüstungseffekte erzeugt werden können“ so Textor. Die Chance der Sol-Gel- Technik ist, dass „das System vieles auf einmal kann und Effektkombinationen verspricht, die bisher nicht zugänglich sind“ resümierte Textor.

„Neue Ansätze für eine nachhaltige Textilindustrie von morgen“ stellte Frau Christin Glöckner, Hohenstein Institut für Textilinnovation, Bönnigheim in ihrem Vortrag vor. Im Fokus ihrer Untersuchungen stehen der Lebenszyklus und die Ökobilanz eines Produktes. In ihrem aktuellen Projekt wird untersucht, wie ein textiles Produkt nach Entsorgung in der Umwelt verbleibt. Durch diese Untersuchungen soll „ein größeres Bewusstsein geschaffen werden, wie sich ein Textil im Erdreich verhält“, so Glöckner. Ziel ist es zudem „mehr Transparenz für eigene Produkte zu schaffen“ führt Glöckner weiter aus.

Ein reger Informationsaustausch und zahlreiche Rückfragen und Diskussionen spiegelten das Interesse an den Vortragsthemen wider.

Angeschlossen an die Vorträge bot sich interessierten Mitglieder die Möglichkeit an einer exklusiven Führung durch das Textiltechnikum teilzunehmen.

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