Fachveranstaltung der Regionalgruppe SÜD

am 9. November 2018 im Albhotel Fortuna in Riederich unter dem Leitthema „Technische Textilien und Mode“ .

Am 9. November 2018 veranstaltete die Regionalgruppe SÜD eine Fachveranstaltung unter dem Leitthema „Technische Textilien und Mode“ im Albhotel Fortuna in Riederich-Metzingen.
Herr Lingel, 1. Vorsitzender der RG SÜD, informierte die 20 Teilnehmer der Veranstaltung über das Vereinsgeschehen und über kommende Veranstaltungen des Hauptvereins.
· Die Regionalgruppe Süd hat aktuell 237 Mitglieder. Davon erreichen wir 168 (ca. 71%) per E-Mail. 72 (ca. 30%) sind Lastschriftteilnehmer, hier wäre noch Verbesserungspotential.
· Die Homepage des VDTF (www.vdtf.de) wird laufend aktualisiert und mit neuen Terminen, Veranstaltungen und Informationen gefüttert. Es lohnt sich von Zeit zu Zeit einen Blick drauf zu werfen.
· Der nächste Textilveredlertag mit Mitgliederversammlung findet am 18.-19.Oktober 2019 in Bayreuth statt und steht unter dem Motto: "Die deutsche Textilindustrie als Vorreiter der Nachhaltigkeit im globalen Wettbewerb." Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Interessierte Referenten können sich gerne an die Geschäftsstelle wenden. Die Einladung zum Textilveredlertag erfolgt rechtzeitig im neuen Jahr.
· Der Vorstand des Hauptvereins wird im nächsten Jahr neu gewählt. Interessenten für ein solches Ehrenamt in unserem Verein mit fast 1000 Mitgliedern melden sich gerne bei einem der Vorstände oder bei der Geschäftsstelle mit einem Kurzlebenslauf.
· Auch in unserer Regionalgruppe stehen im nächsten Jahr Wahlen an. Auch hier werden interessierte Kandidaten gesucht. Herr Adrion, z.Z. Geschäftsführer der RG SÜD wird nach 12 Jahren im Vorstand der Regionalgruppe nicht mehr kandidieren, um sich für die Aufgaben als Geschäftsführer des Hauptvereins noch besser einbringen zu können.

Zwei fachspezifische Vorträge zum Leitthema „Technische Textilien und Mode“ fanden hohes Interesse bei den Teilnehmern. Den ersten Vortrag mit dem Thema „Anforderungen an Schuhtextilien“ referierte Herrn Prof. Klaus Nieder, von der Fa. Otto Stockmayer + Sohn GmbH, Pirmasens, mit einer ausgewogenen Auswahl an technischen Informationen und anschaulichen Musterbeispielen. Die hohen Anforderungen an die meist 4-5 einzelnen Textillagen rechtfertigen nicht selten die Wertschöpfung von bis zu 40 €/m². Die hierfür benötigten Materialien, z.B. für einen modischen Sportschuh, müssen einerseits leicht, strapazierfähig und atmungsaktiv sein. Andererseits darf die Permanenz der antibakteriellen Wirkung im Gebrauch nicht gemindert werden. 40 °C-Wäsche bei Silberionen Ausrüstung ist realisierbar. Modische Impulse, z.B. bei Sicherheitsschuhen, verdrängten die oft sehr klobigen Sicherheitstreter von früher und bringen Form und Farbe auf den neuesten Stand. Die Spezialisierung der Schuheinsatzbereiche, wie z.B. als Eishokeyschuh, Schlittschuh, Sprintschuh, Ballerina, orthopädischer Schuh u.ä. erfordern eine sorgfältige Auswahl und Kombination der einzelnen Textilmaterialien und Zusatzkomponenten. Mittels 3D-Fußscanner werden die individuellen Schuhpassformen der Käufer ermittelt. Konventionelles Ink-Jet-Verfahren mit Dispersionsfarbstoffen oder Sublimationsdruckverfahren (Transferdruckverfahren) sorgen neben unifarbenen Designs nun auch für immer mehr bunt bedruckte Schuhdesigns auf lederoberflächenkaschiertem Polyestergewebe. Die noch üblichen zwei Kollektionen werden vom schnellen Modewechsel längst eingeholt. Doch die Anforderungen an die benötigten Textilmaterialien werden durch Detoxkampagnen von Greenpeace nicht einfacher. Voraussetzung sind entsprechend zertifizierte Textilhersteller; meist nach Ökotex und REACh. Kunstleder, Gewebe, Abstandsgewirke und Carbonfasertextilien finden mehr und mehr Einzug in die Herstellung modischer wie auch funktioneller Schuhe.

Der zweite Vortrag mit dem Thema „Quasistatistische Prüfungen an Technischen Textilien“ wurde von Herr Matthias Jethon, Fa. ZwickRoell GmbH & Co. KG, Ulm, gehalten.
Schwerpunkt des zweiten Fachvortrags waren die Prüftechniken bezüglich des Kraftdehnungsverhaltens von technischen Textilien, wie sie z.B. in der Automobilindustrie und deren Zulieferindustrien getätigt werden. Airbag-Gewebe, kaschierte Textilien, Gurte, Elastomergarne, Vliesstoffe, beschichtete Geotextilien, Nadelvliese, Transportbänder, Faserseile, spezielle Bänder, Materialien für Überdachungen, u.a. werden durch Kraftdehnungskurven in ihren Festigkeitseigenschaften qualitativ bewertbar und somit vergleichbar. Die Bewertungen eignen sich nicht nur für Qualitätsforderungen vom Abnehmer sondern führen bereits bei der Materialentwicklung zu Materialoptimierungen. Beim Zug- und Dehnverhalten eines Textilmaterials ist das aufzubringende Kraftmaxima von Interesse. Hingegen beim Berstdruck und bei statischer Durchstoßung eines Prüflings ist die zurückgelegte Wegstrecke bei maximaler Kraft entscheidend. Mit modernen Kraft/Dehnungsmessvorrichtungen können diese Textilmaterialien bis zur Grenzbelastung geprüft werden. Im vielfältigen Sortiment der Fa. ZwickRoell stehen hierfür spezielle Prüfsysteme, nicht nur für Textilprüfungen, zur Verfügung. Der Kräftebereich der Standardprüfmaschinen und Standardwerkzeuge liegt im Serienportfolio für Textilprüfungen zwischen 0,01bis zu 250kN. Die Prüfungen können dabei in statischer oder in dynamischer Weise durchgeführt werden. Kundenspezifische Universalprüfmaschinen für stabilere, nicht textile Materialprüflinge sind bis ca. 5000 kN machbar. Einmal im Jahr findet bei der Firma in Ulm eine mehrtägige Fachmesse statt an der Interessierte kostenlos teilnehmen und sich über eine vielfältiges Prüfmaschinenangebot vor Ort informieren können.

Im Anschluss an die Vorträge nahmen die Teilnehmer der Veranstaltung an einer regen Diskussion mit den Referenten teil. Fazit: Modische Vielfalt ist mit technisch angepassten Methoden der Prüftechnik machbar; ein verletzungsfreier Tritt in einen Nagel ist trotz hohem Tragekomfort realisierbar.

Thomas Guschlbauer